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Verabschiedung der Stadtführerin Elisabeth Bolz (12.12.2022)

Seit 1992 führt Elisabeth Bolz Gruppen durch die Bad Uracher Innenstadt. Mit 90 Jahren wurde die langjährige Stadtführerin nun von Tourismuschef Torsten Clement und Kurverwaltungsmitarbeiterin Kathrin Steinhart verabschiedet.

Als Elisabeth Bolz mit 60 Jahren in den Ruhestand getreten war, klingelte ihr Telefon. Es war ihre Tochter, die zu dieser Zeit im Haus auf der Alb arbeitete. Sie hatte erfahren, dass aufgrund des immer höheren Besucheraufkommens in Bad Urach ganz dringend ein weiterer Stadtführer gesucht wird. „Ich konnte mir während meines Berufslebens immer vorstellen das später einmal zu machen, da ich schon immer an Geschichte interessiert war. Aber so schnell nach dem Ruhestand war das eigentlich nicht geplant“, erinnerte sich Frau Bolz zurück. Nach ihrer Zusage erhielt sie einen Stapel Bücher in welche sie sich erst einmal einlesen musste. Das war genau vor 30 Jahren. Seitdem begleitete jeder neue Stadtführer zu seinen Anfangszeiten Frau Bolz bei ihren Rundgängen. Die genaue Anzahl der Stadtführungen in ihrer 30-jährigen Tätigkeit als Stadtführerin weiß Frau Bolz nicht mehr. Allerdings gab es nicht selten Tage, an welchen sie zwei Gruppen morgens und zwei nachmittags durch die Residenzstadt führte. An der Jubiläumsfeier der St. Amanduskirche waren es sogar sechs Stadtführungen an einem Tag.

„Einmal wurde ich bei einer Schifffahrt auf der Elbe in Dresden von einer Dame angesprochen, die mich erkannt hatte. Ich wurde öfters erkannt und angesprochen als ich unterwegs war, das wunderte mich immer, ich freute mich aber natürlich auch darüber.“ Womöglich lag das auch an ihrem Hut, ohne welchen Frau Bolz nur selten zu sehen war. Sozusagen ihr Markenzeichen. „Ich habe es auf alle Fälle gerne gemacht und dabei auch viel gelernt. Das hat meinen Rentenzustand sehr erfüllt. Ich habe auch immer versucht alles möglich zu machen und allen Wünschen nachzugehen“. Einen besonderen Wunsch erfüllte Frau Bolz einst an einem regnerischen Tag. Eine Gruppe wollte aufgrund des schlechten Wetters nicht aus ihrem Bus aussteigen. Auch die verzweifelte Reiseleitung hatte keinen Erfolg die Gruppe umzustimmen. Frau Bolz überlegte nicht lange und verlegte die Stadtführung kurzerhand in den Bus nach innen. „Da musste ich im Kopf natürlich alles umdenken, wie mache ich jetzt eine Stadtführung ohne Stadt? Ich hatte ja auch keine Bilder von unseren historischen Gebäuden dabei“, erinnerte sich Frau Bolz zurück. Am Ende zeigte sich die Gruppe begeistert.

Torsten Clement, Amtsleiter für Kultur, Tourismus und Stadtmarketing sowie Frau Kathrin Steinhart, Organisatorin der Kurverwaltung für die Stadtführungen, bedankten sich für die jahrelange Arbeit bei Frau Bolz mit einem Präsent: „Sie haben unsere Gäste mit großer Freude und Enthusiasmus durch unser schönes Bad Urach geführt und ihnen die Geschichte im Großen wie auch im Kleinen nähergebracht. Sie waren immer da, wenn wir Sie gebraucht haben“.

„In meinem ganzen Leben ist mir noch nie langweilig gewesen. Das kann ich heute mit meinen 90 Jahren sagen. Mir ist immer die Zeit ausgegangen, ich wollte immer mehr machen“, so Bolz zum Abschied. Langeweile wird es sicherlich auch zukünftig nicht geben: zwei Kinder, drei Enkel und sechs Urenkel halten die muntere Rentnerin auf Trab.

Bild v.l.n.r.: Torsten Clement (Amtsleiter Tourismus, Kultur und Stadtmarketing), Elisabeth Bolz, Kathrin Steinhart (Kurverwaltung Bad Urach)