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Festhalle Bad Urach

Oder wie viele der Bad Uracher und Bad Uracherinnen sagen „Turn- und Festhalle“. Denn viele erinnern sich noch an Ihre Schulzeit, als sie in ebendieser Halle ihren Schulsport absolvierten. Ob es eine klasseninterne „Bestenliste“ gab, wer die meisten Fenster oder Lampen zerschossen hat, ist nicht bekannt.

historisch geprägte Festhalle in Bad Urach
historisch geprägte Festhalle in Bad Urach

Man kann aber davon ausgehen, dass es im Laufe der 100 Jahre so einige waren. Ballsportarten wurden erst mit dem Einbau der Kronleuchter im Jahre 1990 verboten. Diese fallen dem Besucher denn auch gleich mit ihren über 300 Glühbirnen ins Auge, wenn er die Festhalle durch das Hauptportal betritt. Portal trifft es in diesem Fall gut, denn das Gebäude ist vom Grundriss her stark an eine Kirche angelehnt. In der Planungsphase ab 1904 gab es außer den Kirchen keine Vorbilder für große Versammlungsräume. Und so bekam die Uracher Festhalle eine großes „Hauptschiff“ und Emporen, wie es sie auch in der Amanduskirche bis zur Renovierung gegeben hat. Außerdem das mittige Eingangsportal und das Türmchen auf dem Dach. Auch in anderer Hinsicht, ist das Bauwerk ein Kind seiner Zeit. Der Trend ging weg vom historisierenden Bauen hin zu Bauwerken, die sich der Region, in der sie standen, anpassten. Außerdem wurden die Bauwerke schlichter. Weitergedacht führte das später zum Bauhausstil.

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"Hauptschiff" der 100 jährigen Festhalle von Bad Urach

Die Außenmauern sind aus Seeburger Tuffstein, der Rest des Gebäudes überwiegend aus Holz. Bemerkenswert ist die Schale aus Beton, einem zur damaligen Zeit sehr neuem und innovativem Baumaterial, das den Keller der Festhalle vor etwaigem Hochwasser der Erms schützt.
Gebaut wurde sie als Turn- und Festhalle im Turngarten. Stadtbaumeister Vatter, der mit dem Bau beauftragt wurde, hätte als Standort das heutige „Grüne Herz“ bevorzugt und hier auch gleich noch ein Hallenbad und eine städtische Dampfwäscherei eingebaut, aber diese Überlegungen scheiterten an den finanziellen Mitteln der Stadt. Der Bauplatz Turngarten wurde vom damaligen Bürgermeister Eberle favorisiert. Mit den Planungen wurde 1904 begonnen, doch bis zur Einweihung vergingen neun Jahre. Im November 1913 hatte die Festhalle mit dem 25 jährigen Jubiläum des Schwäbischen Albvereins ihre Feuertaufe. Seit dieser Zeit hat die Festhalle so einiges erlebt: zwei Weltkriege in denen sie als Garnison oder als Lazarett diente, unzählige Schüler und Schülerinnen schwitzten hier beim Schulsport und alle zwei Jahre wird hier der Schäferlauf mit dem Festspiel D’Schäferlies eingeläutet. Namhafte Künstler waren in der Festhalle zu Gast und mussten sich mit den Garderoben im Untergeschoss anfreunden. Hier merkt man, dass in der Festhalle nicht nur gefeiert und Kunst genossen, sondern auch geturnt wurde. Diese sind entsprechend bescheiden.
Treue Gäste der Festhalle wissen, dass es beim Besuch immer ratsam ist, noch einen Schal zum Umlegen einzupacken, denn in der Halle herrscht häufig ein Luftzug und es ist insgesamt gerne auch mal etwas frisch. Dies ist der ebenso genialen, wie einfachen Lüftungstechnik zu verdanken. Die warme Luft aus der Festhalle steigt in den kaum isolierten Dachboden auf und wird durch den Kamineffekt durch das Türmchen auf dem Dach nach außen geleitet. Frischluft ist also nie ein Problem.
100 Jahre nach ihrer Eröffnung wird die Festhalle vielfältig genutzt: Skatclub und Schäferlies haben hier ihre Vereinsräume im Untergeschoss. Die Laienspielgruppe Alb ist hier ebenso zu Hause wie die Beatstompers, eine Percussion-Gruppe, die sich hier zum Üben trifft. Die Festhalle kann für Feierlichkeiten gemietet werden und es finden regelmäßig Konzerte, Schauspiele und andere Aufführungen statt. Und da die Festhalle sehr solide gebaut ist, besteht die berechtigte Hoffnung, dass dies auch die kommenden 100 Jahre der Fall sein wird.